Roboter in der Pflege: Was die elektronischen Pfleger wirklich übernehmen können

Laut einer aktuellen Schätzung fehlen Deutschland im Jahr 2030 knapp eine halbe Million Pflegekräfte. Schon heute kommen, so die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, elf Altenpflegerinnen auf 100 Pflegebedürftige. Durch die zunehmende Automatisierung liegt da der Gedanke nicht fern, Roboter als Unterstützung im Pflegesektor einzusetzen. Wie das aussehen kann und was die elektrischen Pfleger wirklich übernehmen können, lesen Sie im Folgenden.

Wachsende Automatisierung und steigender Fachkräftemangel

In jedem Sektor nimmt die Automatisierung ihren Lauf. Internationale Großhändler, wie Amazon, nutzen in ihren Logistikzentren Roboter als Helfer, um Waren der Kunden zu verpacken. Diese Unterstützung kann der Pflegesektor ebenfalls gut gebrauchen. Der Beruf ist für das Personal auf lange Sicht herausfordernd. Kräftezehrende Schichtdienste, Rückenbeschwerden durch Heben und Lagern, psychische Belastung und vergleichbar schlechte Löhne machen die Pflege unattraktiv. Hinzu kommt die immer älter werdende Gesellschaft. „In 15 Jahren werden rund 30 Prozent der Bevölkerung in Deutschland über 65 Jahre sein, acht Prozent sogar über 80 Jahre“, so das deutsche Zukunftsinstitut. Der Blick in die Zukunft der Pflege sieht also nicht rosig aus – wird vom deutschen Berufsverband für Pflegeberufe sogar schon als „Pflegekollaps“ bezeichnet. Neben dem Versuch, Fachkräfte zu gewinnen und zu halten, scheint es eine naheliegende Lösung, elektronische Helfer im Pflegealltag einzusetzen.

Körperliche und soziale Entlastung für Pflegekräfte

Roboter sollen unterstützen, um die Pflegequalität zu gewährleisten. Sei es, um Senioren zu unterhalten, oder, um bei der Grundversorgung auszuhelfen. So etwa Roboter Pepper. Mit seinen 120 Zentimetern und 40 Kilogramm scheint der elektronische Pfleger mit schwarzen Kulleraugen zierlich. Doch er hat es in sich: Pepper spricht mehrere Sprachen, merkt sich Gesichter, kann Senioren individuell mit Bewegungs- und Gedächtnisspielen fördern, sowie an die Medikamenteneinnahme erinnern. Gekauft und von Japan nach Deutschland importiert wird Pepper von der Firma BoS&S. „Wir brauchen langfristig betrachtet Roboter“, so Marketing-Leiter Marc Specht. Ziel von Pepper soll es sein, Pflegekräften mehr Zeit zu verschaffen. So kann der Roboter die soziale Betreuung übernehmen, während Pflegende individuell Bewohner betreuen. Und das eventuell sogar vielseitiger, als in der herkömmlichen Betreuung: Der Unterhaltungsroboter Palo der japanischen Firma Fuji Soft hat etwa 365 Programme auf Lager, darunter Rhythmusspiele und Rätsel.

Nicht nur von den sozialen Aufgaben können Roboter Pflegekräfte entlasten. Auch körperlich können die nie ermüdenden Elektro-Pfleger dem Menschen einiges abnehmen. So zum Beispiel die Transportroboter der Immanuel Klinik in Rüdersdorf. Sie liefern das Essen in Patientenzimmer, bringen frische Wäsche auf verschiedene Stationen und können im Extremfall Güter von bis zu 500 Kilogramm befördern. Mit kurzen Sätzen, wie „Bitte gehen Sie zu Seite“, macht sich der Transportroboter der Firma Swisslog den Weg frei und legt so in Krankenhäusern und Pflegeheimen bis zu 28 Kilometer täglich zurück.

Datenschutzherausforderung und Ethikfrage

Wie immer, wenn Technik im Spiel ist, stellt sich die Frage des Datenschutzes. So auch bei dem Forschungsprojekt der Robbe Paro. Der Roboter mit kuscheligem Fell sieht aus wie ein echtes Robbenbaby und hilft vor allem dementiell Veränderten. Sie sammelt Daten, wie Gespräche und Verhaltensmuster, und gibt dadurch Pflegekräften Vorschläge zum Umgang mit den Bewohnern. Das kann nicht nur zum Datenschutzfiasko werden, sondern ist auch ethisch fragwürdig. „Ethisch ist das noch total ungeklärt. Wer hat die Aufsicht über die Daten? Welche Rechte hat der pflegeabhängige Mensch? Welche Rechte haben die Beschäftigten?“, so Peter Tackenberg, stellvertretender Geschäftsführer beim deutschen Berufsverband für Pflegeberufe. Roboter müssten also in ihren Handlungen für die Senioren transparent gemacht werden und gleichzeitig mit der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) übereinstimmen.

Pflegeroboter: Mehrwert oder Gefahr?

Roboter werden nicht müde, sind immer „gut gelaunt“ und machen unbezahlt Überstunden. Betrachtet man allein die Effizienz und die ökonomischen Vorteile, scheint der elektronische Helfer perfekt. Zwischenmenschliche Beziehungen können Roboter aber nicht ersetzen – Zuwendung, Einfühlungsvermögen und Empathie sind Menschensache. Auch in der Motorik kommt der E-Pfleger nicht an den Menschen heran: Durch ihre Rollen können sich Roboter nur in barrierefreien Bereichen bewegen und keine Treppen steigen. Selbst im Aufzug brauchen sie oftmals Unterstützung. Ebenso bei selbstverständlichen Pflegetätigkeiten, wie dem An- und Ausziehen. Erfolgt die Nutzung von Pflegerobotern also unter der DSGVO und unter vollem Einverständnis aller Beteiligten, können Pepper & Co. den Pflegekräften unterstützend ihren Alltag bereichern. Jedoch menschliche Pflegerinnen nicht ersetzen. 

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