Immer mehr Menschen fühlen sich einsam. Bis zu zehn Prozent der Deutschen leiden laut Studien häufig unter Einsamkeit. Wobei unterschiedliche Altersgruppen unterschiedlich stark betroffen sind. Ältere Menschen fühlen sich am häufigsten allein. Besonders, wenn sie 80 Jahre oder älter sind.
Fünf Tipps, wie Sie Einsamkeit im Alter überwinden können, lesen Sie hier.

Was genau ist Einsamkeit?

Wichtig ist zu verstehen: Einsamkeit ist keine Krankheit, sondern ein subjektives Gefühl. Jeder nimmt diesen Zustand anders wahr. Menschenleer fühlen wir uns, wenn eine Diskrepanz zwischen dem Wunsch und Haben von sozialen Kontakten entsteht. „Und auch die Qualität und Quantität spielen eine Rolle. So können sich Menschen mit vielen Freunden und Bekannten einsam, und andersrum Personen mit nur zwei guten Freunden erfüllt fühlen“, weiß Yvonne Wilke, Bereichsleiterin vom Kompetenznetz für Einsamkeit in Frankfurt. Ältere Menschen, die im betreuten Wohnen leben, können sich demnach durchaus allein fühlen – eben, weil eine bestimmte Person oder ein gewünschter Zustand zum eigenen Glück fehlt.

Wie vereinsamen alte Menschen?

Im letzten Lebensabschnitt nimmt die Häufigkeit der Vereinsamung zu. Gesundheitliche Einschränkungen, fehlende Mobilität, Altersdiskriminierung oder Altersarmut tragen dazu bei. Auch ältere Menschen mit Migrationshintergrund haben es schwieriger. In südlichen Ländern sind Ältere noch immer Teil der Familie und der Gesellschaft, bilden ein Kollektiv. Die Deutschen sind eher individuell geprägt, hier werden alte und kranke Menschen oft ausgegrenzt oder vernachlässigt. Auch die Scham anderen zur Last zu fallen, spielt bei Älteren eine große Rolle.

Was sind die Folgen?

Die Sozialwissenschaftlerin betont: „Ältere Menschen bauen gesundheitlich massiv ab“. Herz- und Kreislauferkrankungen sowie Diabetes schreiten schneller voran. Hier spielt fehlende Bewegung eine Rolle. Aber auch kognitive Fähigkeiten nehmen durch zu wenig geistige Stärkung und Eintönigkeit ab – Demenz kann früher und stärker auftreten. Den Älteren fehlt der Austausch, der Geist verkümmert.

Welche Angebote können Ältere aus der Einsamkeit holen?

Kostenfreie Angebote mit spontaner Anmeldung werden gut angenommen, gemeinsame Spielerunden etwa. Barrierefreiheit ist dort enorm wichtig, um älteren Menschen ein stressfreies Ankommen zu garantieren. Fahrdienste, die Menschen von A nach B bringen, sind hilfreich. Die Bandbreite solcher Angebote sollte breit gefächert sein, so ist auch an Menschen mit Migrationshintergrund oder queere, ältere Menschen zu denken. Welche spezielle Wertschätzung benötigen sie?

Wichtig ist: Es müssen keineswegs immer institutionelle Angebote sein. Eine Einladung von der Nachbarin zu Kaffee und Kuchen kann genauso hilfreich sein.

Angehörige sollten ihrer eigenen möglichen Hemmungen bewusst werden. Spüre ich Scham gegenüber meiner Mutter oder meinem Vater? „Hier helfen Telefonhotlines wie von ‚Redezeit für Dich‘ Angehörigen, sich ihrer Beziehung und eventueller Hilfe gegenüber den Eltern bewusst zu werden“, rät die gelernte Sozialwissenschaftlerin. Auch ein Gespräch mit der Hausärztin oder den Pflegekräften ist ratsam.

Letztere sollten auf die psychosoziale Situation ihrer Bewohnerinnen und Bewohner achten und eruieren, was diese brauchen und welche Angebote unterstützen können. Oftmals hilft schon ein offenkundiges Interesse Älteren gegenüber, nicht zu sehr zu vereinsamen.

Können Online-Angebote helfen?

Digitale Präsenzangebote haben besonders während Corona stark zugenommen, Menschen im höheren Alter treffen sich zu digitalen Bingorunden oder Gesprächskreisen. Gerade für Menschen die mobil eingeschränkt oder gesundheitlich angeschlagen sind, helfen solche Anregungen enorm. Die digitale Welt unterstützt Ältere ihre kognitiven Fähigkeiten weiter auszubauen. Wie benutzt man den PC oder das Internet, wo finde ich Angebote? „Auch spezielle kulturelle Offerten wie „die Gute Stunde“ sind super gegen Vereinsamung“, schlägt Wilke vor. Hier richten sich Vorschläge wie etwa Lesungen oder Online-Veranstaltungen an ältere oder Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, die Lust auf Kunst oder Dialoge haben. Auf der Website www.iss-ffm.de finden Betroffene, Angehörige oder Pflegende Angebote und Wissenswertes zum Thema Einsamkeit im Alter.

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