Wie Telemedizin die Pflege verändert

Smarte Videositzungen, intelligente Betten und pflegende Roboter gestalten in Zukunft den Pflegealltag.


So etwas wie Online-Beratung soll zukünftig auch in der Pflege zum Einsatz kommen. Fachkräfte sollen bei Bedarf den Hausarzt per Video zuschalten und Behandlungen absprechen können. Weiter könnte der behandelnde Arzt im Heim einen Facharzt via Video hinzuziehen, um eine weitere Behandlung abzustimmen. Darüber hinaus könnte auch Angehörige von der Technik profitieren. So könnte der 600 Kilometer entfernt lebende Sohn mit seiner senilen Mutter per Videochat in Kontakt kommen.
Auch Andreas Westerfallhaus sieht Vorteile in solch einem System: „Pflegekräfte und Ärzte können sich gegenseitig entlasten, die Versorgung steigern und dabei Kosten senken“, meint der Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung in einem Zeitungsinterview. 2019 stellt diese 330 Millionen Euro für die Digitalisierung von Pflegeeinrichtungen bereit, sprich 12.000 Euro pro Pflegeheim. Damit könnte eine dringend benötigte Telematik-Infrastruktur zum digitalen Datenaustausch aufgebaut werden.
Zwar nutzen heute schon 75 Prozent der Altenheime computergestützte Patientenakten. „Aber es fehlt die Vernetzung“, erklärt Christel Bienstein vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe. Pflegeheim wären etwa besser in der Lage, auf Krankenhaus-Patienten vorbereitet zu sein.

Hilfsmittel und Therapien könnten vor deren Ankunft organisiert werden, wenn sichere Kanäle zum Austausch von Patientendaten bestehen würden.
„Viele Einrichtungen kämpfen stattdessen mit extrem langsamen Servern“, erzählt Anja Fischbeck aus der Praxis. „Wenn wir heute noch Minuten darauf warten müssen, bis eine Seite lädt, wie sollen wir morgen schon Telematik einsetzen?“, schmunzelt die Einrichtungsleiterin eines bayerischen Pflegeheims.

Hemmschuh Hardware


Ärzte kommunizieren nach wie vor am liebsten per Telefon, Post oder Fax. Gleiches gilt für viele Pflegekräfte. „Die Bereitschaft sich auf die Digitalisierung einzulassen, ist das größte Problem“, erklärt die Betriebswirtin für Krankenhaus und Sozialmanagement. Älteren Fachkräften fällt der Umgang mit moderner Technik schwer oder sie lehnen diesen ab. Für junge Menschen könnte die Arbeit in der Pflege wiederum attraktiver werden, wenn digitale Geräte zum Einsatz kommen. Das Roboterhunde demenzkranke Menschen durch den Alltag begleiten, kann sich Fischbeck in zehn Jahren nicht vorstellen. „Wir haben eine Stationskatze und ich nehme meinen Hund täglich mit zur Arbeit, ein echtes Tier kann kein Roboter ersetzen“, stellt sie klar.
Digitalisieren heißt aber nicht nur Videochat und Datenaustausch. Wissner-Bosserhoff baut intelligente Pflegebetten, die durch Sensoren erkennen, sobald ein Patient sein Bett verlässt und einen Schwesterruf senden, der individuell einstellbar ist. Per Monitor gesteuert, kann das Bett denn Patienten wiegen und sich in spezielle Mobilisations- und Pflegepositionen fahren. Es erkennt Nässe und schaltet automatisches beim Verlassen des Betts ein Nachtlicht ein. Beides erhöht den Komfort der Bewohner.

Fazit: Vor allem in der Pflege fehlt noch digitale Infrastruktur. Es müssen noch viele technische und ethische Hürden genommen werden, bis Pflegeroboter wie der japanische RI-Man Patienten ins Bett bringen. Trotzdem zeigen Pioniere wie Aßmann, dass Telemedizin heute schon helfen kann.


Machen Sie Ihr Pflegeheim mit diesen Tipps fit für die Digitalisierung:

  1. Angebote nutzen: 2019 stellt das Gesundheitsministerium 330 Millionen Euro für die Digitalisierung von Pflegeheimen zur Verfügung. Das entspricht circa 12000 Euro für Ihre Einrichtung zur Anschaffung von Telemedizinkonsolen oder vernetzten Blutzucker oder EKG-Messgeräten.
  2. Auch Möbel können digital werden: Moderne Pflegebetten bieten integrierte Wiegesysteme, Schwesternruf Funktionen und BMI-Kontrollen mit Monats- und Wochenübersicht. Diese lassen sich auf die Patienten personalisieren und erleichtern die Pflege für Patient und Fachkraft.
  3. Besser vernetzt, bedeutet besser Versorgt: Wer heute schon auf digitale Patientenakten umrüstet und sein Personal entsprechend schult, ist gut gerüstet für die Vernetzung von morgen.
  4. Attraktiven Arbeitsplatz schaffen: Durch moderne Pflegeprodukte und Hilfsmittel den Pflegeberuf für junge Menschen interessanter gestalten. Pioniergeist und Innovation machen Arbeitgeber attraktiv. Seien Sie der Tesla unter den Pflegeheimen.

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